Losung für heute
Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.
Psalm 9,19

Wir werden beim Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.
1.Thessalonicher 4,17-18

450 Jahre Honnefelder Synode

von Arno Schmidt

450 Jahre ist es mittlerweile her, dass sich das Wiedische Land der Reformation anschloss. Die Pfarrer aus der damaligen Grafschaft Wied versammelten sich 47 Jahre nach Luthers berühmtem Thesenanschlag in Wittenberg am 1. Juni 1564 in der Pfarrkirche zu Oberhonnefeld, um die Vorform einer neuen Kirchenordnung festzulegen.
Anlässlich dieser bekannten Honnefelder Synode und ihrer Ausstrahlung auf das Wiedische Land veranstaltete die Evangelische Kirchengemeinde Honnefeld in Kooperation mit dem Kirchenkreis Wied eine Jubiläums-Festwoche vom 26. Oktober bis zum 2. November 2014 in Oberhonnefeld.
S. D. Fürst Carl zu Wied begleitete die Festveranstaltung und rief dazu auf, anlässlich des Themas Reformation auch über die Einheit der Christen nachzudenken. Pfarrer Manfred Rekowski, Präses der Rheinischen Landeskirche, hielt die Festpredigt.
Im Rahmen eines Vortragsabends konnte Pfarrer Wolfgang Eickhoff, Superintendent des Kirchenkreises Wied, den Kirchenhistoriker Professor Dr. Joachim Conrad aus Saarbrücken begrüßen. Er vermittelte Einblicke in den Zustand der mittelalterlichen Kirche kurz vor der Reformation. Nach seinen Worten war es eine unselige Verquickung von Thron und Altar. Im Anschluss referierte der Verfasser dieses Beitrags über die Ereignisse im Wiedischen Land vor 450 Jahren:
Die Grafschaft Wied, benannt nach dem rechtsrheinischen Nebenfluss Wied, war ein Territorium im Bereich des Westerwaldes, überwiegend innerhalb des heutigen Landkreises Neuwied gelegen. Sie bestand etwa von Anfang des 12. Jahrhunderts bis 1806.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie zwischen den verschiedenen Zweigen des wiedischen Grafenhauses mehrfach geteilt und wieder vereinigt. Die Obergrafschaft lag um die Zentren Dierdorf und Runkel an der Lahn, die Residenz der Niedergrafschaft war bis 1653 die Burg Altwied, anschließend die Stadt Neuwied.
Bedeutende Persönlichkeiten aus dem Hause Wied waren u. a.:
  • Arnold II. von Wied, 1098 –1156, Erzbischof und Kurfürst von Köln,
  • Hermann von Wied, 1477–1552, Erzbischof und Kurfürst von Köln,
  • Johann Friedrich Alexander Fürst zu Wied-Neuwied, 1706–1791, erster Fürst zu Wied (seit 1789),
  • Maximilian zu Wied-Neuwied, 1782–1867, Entdecker, Ethnologe, Zoologe und Naturforscher,
  • Elisabeth zu Wied, 1843–1916, Königin von Rumänien und Schriftstellerin („Carmen Sylva“).

Graf Johann IV. und die Einflussnahme durch Angehörige seiner Familie

Die Grafschaft Wied wurde etwa ab 1542 von dem besonnenen Landesherrn, Graf Johann IV., regiert, der sich nicht zu einem radikalen Vorgehen im Rahmen der Reformation hinreißen ließ, sondern abwartete, wie sich die Lage im Reich entwickelte. Zu jener Zeit waren Altwied und Dierdorf die bedeutendsten Orte der Grafschaft Wied.
Wer von der Einführung der Reformation und des evangelischen Bekenntnisses in der Grafschaft Wied spricht, kommt nicht umhin, die Einflussnahme seiner Verwandten einer näheren Betrachtung zu unterziehen.
Da sind zunächst seine beiden geistlichen Onkel väterlicherseits Hermann von Wied und Friedrich der Ältere zu Wied zu nennen, die von 1533 bis 1542 mit seiner Vormundschaft beauftragt waren.
Seit 1515 bemühte sich Hermann von Wied als Erzbischof und Kurfürst von Köln um Reformen der Verwaltung, des Rechtswesens und dann auch um Beseitigung kirchlicher Missstände. 1520 hatte er im Beisein des Kaisers sowie zahlreicher Fürsten und Bischöfe zugesehen, wie auf dem Platz vor dem Kölner Dom Luthers Reformationsschriften verbrannt wurden. In den Jahren darauf ergingen unter seiner Mitwirkung Todesurteile gegen jene, die sich aus der katholischen Glaubensgemeinschaft zu lösen begannen. 1540 nahm er im Elsass an Religionsgesprächen teil, in denen man für Anhänger und Gegner Luthers einen gemeinsamen Weg zur Glaubenswahrheit suchte.
Gegensätze, die kaum vereinbar scheinen. War er Protestant? War er Katholik?
Jedenfalls spürte er, dass die katholische Kirche einer Erneuerung bedurfte. So beauftragte er die gemäßigten evangelischen Reformer Martin Bucer und Philipp Melanchthon mit der Ausarbeitung einer Kirchenordnung, die in der Lehre evangelisch und in der äußeren Form katholisch sein sollte. Er glaubte, mit den 1543 fertiggestellten neuen Regeln eine Ordnung gefunden zu haben, die die Einheit der Christen bewahren könnte. Doch die Gegner waren zu mächtig. Papst Paul III. exkommunizierte ihn im Januar 1546. Hermann von Wied zog sich in die Grafschaft seiner Familie nach Altwied zurück.
Den evangelischen Prediger aus Bonn, Johannes Alstorf, der mit Hermann zusammen die kurkölnische Residenzstadt verlassen hatte, ernannte er 1547 zum Pfarrer von Altwied und faktischen Superintendenten der Grafschaft. Hermann hat sich in den kirchenpolitischen Verhältnissen der Grafschaft jedoch nicht weiter engagiert, zu sehr war er offenbar mit den juristischen und finanziellen Folgen der gescheiterten Reformation beschäftigt.
Hermann starb 1552 auf der Burg Altwied. Seine letzte Ruhestätte fand er unter dem Altar in der evangelischen Kirche in Niederbieber.
Dem wiedischen Hause diente diese Kirche von etwa 1450 bis 1580 als Grabstätte. Bei Renovierungsarbeiten in der Kirche wurde 1987 die Grabplatte des Hermann zu Wied freigelegt.
Hermann erlebte den Augsburger Religionsfrieden von 1555 nicht mehr. Hier wurde letztendlich die Devise „cuius regio, eius religio - wessen Land, dessen Religion“ umgesetzt, in der Hoffnung, den religiösen und politischen Frieden besser sichern zu können, wenn die Untertanen jeweils die Konfession des Landesherren annehmen würden.

Die drei Fenster über der Westempore der Niederbieberer Kirche wurden 1912 vom Fürstenhaus Wied gestiftet: in der Mitte Hermann von Wied, flankiert von Martin Bucer und Philipp Melanchthon.

Neben Erzbischof Hermann gehört sein jüngerer geistlicher Bruder Friedrich zu Wied (genannt der Ältere) ebenfalls zu den Wegbereitern der Reformation. Allerdings schlug er einen anderen Weg als sein Bruder ein. Nach zehnjähriger Tätigkeit als Bischof von Münster gab er 1532 den Bischofsstab ab.
Den evangelischen Vorstellungen nahe stehend, warb er nun in seiner wiedischen Heimat auf seine Art für eine Reformation. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen stand die Kreuzkapelle bei Melsbach. Diese auf wiedischem Gebiet gelegene Kapelle gehörte als bekannte Wallfahrtsstätte zum Kloster St. Thomas in Andernach und übte eine große Anziehungskraft auf die Menschen aus. Hier konnte Friedrich am ehesten einen großen Zustrom von Gläubigen erreichen, um sie mit den neuen Lehren vertraut zu machen.
Er entwickelte die Pilgerstätte zu einer Pflegestätte tätiger Nächstenliebe. Viermal im Jahr, an Weihnachten, Aschermittwoch, Karfreitag und Pfingsten, ließ er evangelische Predigten halten. Auch Philipp Melanchthon soll unter den Predigern gewesen sein. Nach der Predigt erhielt jeder bedürftige Zuhörer Brot und an Aschermittwoch noch einen Hering dazu. Auch „graues Tuch“ zur Fertigung von Kleidung wurde ausgeteilt. Zudem gründete er eine Stiftung, die so genannte „Kreuz-Armen-Stiftung“, deren Grundlage seine Besitzungen in Heddesdorf, Hardert und Bonefeld waren.

Ruine der Kreuzkapelle bei Melsbach, im späten 14. Jahrhundert erbaut

Ferner gilt es den Einfluss des Onkels mütterlicherseits, Graf Wilhelm IV. von Nassau, auf Graf Johann IV. zu berücksichtigen. Johanns Vater war mit Elisabeth von Nassau verheiratet. Ihr Bruder Wilhelm IV. (geb. 1487), der Reiche genannt, war am Hofe des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen ausgebildet worden und fand schon früh einen Zugang zu Luthers Schriften. Bereits 1517 dämmte er den Ablasshandel in seinem Herrschaftsbereich ein. Der lutherische Theologe Erasmus Sarcerius (1501 – 1559) kam unter Wilhelms Regentschaft als Hofprediger in die Grafschaft Nassau.
Schließlich werfen wir noch einen Blick auf die Heirat des Grafen Johann IV. von Wied mit Katharina von Hanau-Münzenberg:
Graf Johann IV. von Wied verheiratete sich 1545 mit der Gräfin Katharina von Hanau-Münzenberg, einer im evangelischen Glauben erzogenen Adeligen. Der eben erwähnte Graf Wilhelm IV. von Nassau war ihr Vormund.
Nach diesen Betrachtungen können wir zusammenfassen: Die hier aufgeführten Verwandten im nahen Umfeld des Grafen Johann IV., die sich der neuen Glaubensausrichtung zugewandt hatten, haben ihn zweifelsohne in seinem reformatorischen Vorgehen maßgeblich beeinflusst.

Meilensteine bis zur Honnefelder Synode von 1564 – vier Entwicklungsstufen

Offenbar beeindruckt von den neuen Lehren hatte Graf Johann IV. eine erste Kirchenvisitation in seinem Land angeordnet. Diese erste Visitation (ein Art „Qualitätskontrolle“ in Hinsicht auf den Pfarrer, die Gemeinde und die kirchlichen Gebäude) in der Grafschaft Wied fand 1544 durch den Nassauischen Hofprediger Erasmus Sarcerius statt. Leider sind aus dieser Zeit keine weiteren Angaben überliefert worden.
Der Pfarrer und Kirchenhistoriker Rudolf Löhr - er wirkte von 1927 bis 1932 in Urbach - spricht von einer ersten Stufe der Wende zur reformatorischen Auffassung des Christentums in der Grafschaft Wied.
Möglicherweise verbreitete sich im wiedischen Land ausgehend von dieser ersten Visitation eine beginnende Umorientierung in der Glaubensrichtung. Dafür spricht folgende Überlieferung:
1546 fassten die Bewohner der Ortschaft Kurtscheid einen bemerkenswerten Entschluss: Sie rissen ihre Häuser ab und bauten sie an anderer Stelle wieder auf. Ein ganzes Dorf zog um. Zur Mitte des 16. Jahrhunderts lag Kurtscheid an der Grenze der Territorien des Grafen zu Wied und des Kölner Erzbistums. Während die wiedischen Orte reformiert wurden, verlegten die Kurtscheider ihre elf auf wiedischem Gebiet gelegenen Häuser nordwärts auf die kurkölnische Seite der Grenze und entzogen sich auf diese Weise dem Zugriff der wiedischen Obrigkeit in der Hoffnung, dass die Reformation im Erzbistum Köln keinen Erfolg haben würde. Diese Angaben stammen aus der Feder des Kurtscheider Lehrers Staub (er nannte sich Hugo von München). Die Originalquellen zu dieser Umsiedlung konnten bislang noch nicht nachgewiesen werden.
Die zweite Stufe der reformatorischen Entwicklung in der Grafschaft Wied ist für das Jahr 1556 anzusetzen. Im Januar begannen Kirchenvisitationen unter Leitung des Pfarrers Leonhard Wagner (geb. um 1500 in Kreuznach, gest. 1568/69 in Siegen), der als Reformator in Nassau-Siegen-Dillenburg wirkte. Ferner gehörten zu den Visitatoren Wilhelm von Waltmannshausen, Amtmann zu Wied (Altwied), Johannes Alstorf, Kaplan zu Wied (Altwied), Heinrich Betschaft, Pfarrer zu Heddesdorf und Andreas Hewer. Ihre Rundreise führte sie von Niederbieber zu weiteren 13 Gemeinden: Feldkirchen, Heddesdorf, Rengsdorf, Honnefeld, Dierdorf, Urbach, Raubach, Puderbach, Niederwambach, Oberdreis, Rückeroth, Nordhofen und Anhausen.
Am 1. Februar 1556 visitierte die Kommission die Kirchengemeinde Honnefeld. Der kurze Bericht lautete:
„Honnenfeld prima Februarii. Die gemein bedankt sich der visitation, und sind mit Irem Kirchendiener Richardus genannt recht zufrieden und Er gleichfals mit inen.
Item der Wedumhoff (Pfarrhof) ist gantz bawfelligh. Die gemein bittet das her Rolman zu Ysenburg dazu gehalten werde, das er den wedumhoff widder aufbawe, weill sein Son pastor daselbst ist.“
Das Verhältnis zwischen dem Pfarrer und seiner Gemeinde scheint gut gewesen zu sein. Weder über die Anfänge der Reformation noch über die Predigt des Pfarrers wurden Aussagen getroffen. Hingegen richtete man das besondere Augenmerk auf den schlechten baulichen Zustand des Pfarrhofs. Aus den Visitationsberichten ist zu ersehen, dass die Reformation ganz allmählich, behutsam und in Übergängen vollzogen wurde. Offenbar waren schon einige Geistliche verheiratet: Während die Frau des Oberdreiser Pfarrers ein Kind erwartete, gab der Rückerother Kirchendiener die Zusage, seine Magd zu ehelichen.

Die Honnefelder Synode vom 1. Juni 1564

Dieser dritten Stufe der reformatorischen Entwicklung in der Grafschaft Wied war ein in Melsbach (wohl Kreuzkapelle) gehaltener Pfarrkonvent zur Vorbereitung der Honnefelder Synode vorausgegangen.
Die erste Landessynode von Wied (Altwied) und Dierdorf fand am 1. Juni 1564 in der Kirche zu Oberhonnefeld unter Beteiligung von etwa 10 bis 12 Pfarrern statt.
Dieser Versammlungsort wird belegt durch die im angefertigten Bericht notierten Bemerkungen: „jüngst in Honnefeld gehaltener Versammlung oder Synode“ sowie „die Brüder wurden ins Gotteshaus zusammenberufen“.

Kirche Oberhonnefeld um 1900, Neubau von 1829 bis 1832 nach Plänen von den Baumeistern Ferdinand Nebel und Karl Friedrich Schinke

Das Kircheninnere um 1900

Warum fand die Synode in Honnefeld statt?

Sicherlich wird man einen Kirchenort gesucht haben, der von den beiden Zentren der damaligen Grafschaft Wied, Altwied und Dierdorf, in etwa die gleiche Entfernung hatte. Hierfür kamen Anhausen und Oberhonnefeld infrage. Nun war Anhausen machtpolitisch fest in wiedischer Hand, die Oberhonnefelder Kirche stand jedoch im frühen 16. Jahrhundert im Ringen zwischen geistlicher und weltlicher Macht – zwischen dem Koblenzer Kastorstift und den Grafen zu Wied. 1570 wurde schließlich der Machtwechsel vollzogen, als die Honnefelder Zehntrechte und das Recht zur Ernennung des Pfarrers an Graf Johann IV. zu Wied übertragen wurden.
Vor diesem Hintergrund und dem des Augsburger Religionsfriedens bot sich so die Gelegenheit, mit der Wahl von Oberhonnefeld als Versammlungsort für die Synode ein deutliches Zeichen für den wiedischen Machtanspruch zu setzen.
Den Vorsitz für die Synode hatte Johannes Alstorf, der seit 1560 leitender Pfarrer in Niederbieber war und eine gemäßigte evangelische Richtung vertrat. Wie bereits erwähnt, hatte er 1547 zusammen mit dem Kölner Erzbischof Hermann die Residenzstadt Bonn verlassen.
Als Schreiber fungierte der junge Rengsdorfer Pfarrer Johannes Heyen (Heien), der wenige Tage danach, am 5. Juni, dem Grafen Johann IV. einen Bericht über die Synode in lateinischer Sprache vorlegte. Johannes Heyen stammte aus Kobern an der Mosel und war erst seit kurzem in Rengsdorf. Er gilt als der erste evangelische Pfarrer in Rengsdorf. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit zwischen dem Grafen zu Wied und der katholischen Kirche um den Rengsdorfer Pfarrer Breid, den man schließlich ins katholische Kurtscheid versetzte.
Mit insgesamt 12 Punkten wurden die Verfehlungen, die aus dem katholischen Glauben entstanden waren, eindeutig benannt und allgemein zur Bestrafung ausgerufen. Sie wurden den anwesenden Pfarrern zur Abstimmung vorgelegt und einstimmig angenommen.
Pfarrer Heyen legte besonderen Wert auf den Hinweis, dass auch das Volk anwesend gewesen sei, „damit man nicht Anlass zur Verleumdung habe, als ob wir im Verborgenen gehandelt und nicht gewagt hätten, öffentlich zu bekennen“.
Verfolgen wir die 12 Punkte, die auf der Synode behandelt wurden:
1. In allen Gemeinden der Grafschaft soll eine einheitliche Gottesdienstordnung maßgeblich sein, nach der dieselbe Vorgehensweise bei den Sakramenten, wie Taufe und Abendmahl, angewandt wird.
2. Die Gebeine Verstorbener (Reliquien) dürfen keinen Anlass zum Götzendienst bieten und müssen deshalb begraben werden gemäß 1. Buch Mose Kapitel 3 („Du bist Staub und sollst wieder zum Staub werden.“).
3. Die Kirchenältesten sollen eidlich verpflichtet werden, die Schwätzer, Tagediebe, Possenreißer auf den Kirchhöfen und in den Kirchen anzuzeigen.
4. Das abergläubische Glockengeläute gegen Unwetter wird aufgehoben.
5. Die Küster werden zum Gehorsam „aufs Wort“ den Pfarrern gegenüber ermahnt.
6. Als Taufpaten sollen keine jungen Leute, d. h. wohl noch nicht in der evangelischen Lehre Unterwiesene, und nicht solche, die die evangelische Lehre verabscheuen, also Katholiken bzw. im Herzen katholisch Gebliebene, zugelassen werden.
7. Für das Sakrament der Taufe oder des Abendmahls soll geläutet werden. Sie sollen einen öffentlichen Charakter haben. Die Sakramente gehören in die Gemeinde hinein und sind ohne die Gemeinschaft der Gläubigen nicht zu praktizieren.
8. Eine Beerdigung darf nicht vor dem Gottesdienst stattfinden. Offenbar konnte damals zeitgleich eine nicht vom Pfarrer geleitete Beisetzung auf dem Kirchhof und in der Kirche ein Gottesdienst stattfinden.
9. Von den Predigten erhoffen sich die Pfarrer die Zuwendung zum Evangelium. In den Predigten soll vor Götzen, Wallfahrten, Zauberern und Messen gewarnt werden. Ferner wird eine abgestufte Kirchenzucht, die bis zur Exkommunikation führen kann, ins Leben gerufen.
10. Ein Ausschluss vom Begräbnis erfolgt für solche, die Gott verhöhnen, also im Herzen katholisch geblieben sind. Diese werden nicht auf einem evangelischen Friedhof beigesetzt.
11. Die Zulassung zum Abendmahl ist nur für solche möglich, deren Bekenntnis und Leben als „evangeliumsgemäß“ oder schriftgemäß bekannt ist.
12. Alle Unbegüterten in der Grafschaft, die einen Almosen begehren, müssen einen entsprechenden Beleg ihrer Armut vorlegen, der vom Pfarrer bescheinigt ist.
Ein weiterer Beschlusspunkt galt den 26 aufgeführten Feiertagen. Man unterschied zwischen Festtagen, die gefeiert werden, und solchen, an denen nur Gottesdienst sein sollte.
Dass man noch 16 Heiligentage feiern wollte, 10 jedoch nur mit einem Gottesdienst (z. B. Allerheiligen (1.11.), Maria Geburtstag (8. September), das Fest des jeweiligen Kirchenpatrons), zeigt auch, dass man noch nicht von einer eindeutigen Hinwendung zur neuen Lehre reformierter Prägung sprechen kann.
Wie bereits erwähnt, hat der junge Rengsdorfer Pfarrer Heyen den Bericht über die Honnefelder Synode in lateinischer Sprache verfasst.
Doch wo wird dieser Bericht archiviert?
Den Originalbericht in Handschrift findet man im Fürstlich Wiedischen Archiv unter der Signatur 64-6-18. Der Umschlag, in den der Bericht eingelegt ist, trägt die Aufschrift:
„Anzeig Ehren Johannen Heyen von Covern, weß sich die Kirchendiener der Graveschafft Wied und im Ambt Dierdorff in jungst zu Hunnefeldt gehaltener versamblung oder synode der Feyertag und ander puncten halber verglichen. Datiert den 5. Junii anno 1564.“
Bemerkenswerterweise liegt uns eine Druckschrift aus dem Jahre 1764 vor, die in der Evangelischen Archivstelle Boppard im Bestand „Kirchenkreis Wied“ unter der Nummer 545 (Seiten 56 bis 58) aufbewahrt wird, und den Bericht von der Honnefelder Synode beinhaltet.
Hierbei handelt es sich um einen „Vortrag an das Corpus Evangelicorum betreffend die Capuziner in Dierdorf.“
Zum Hintergrund: Ab 1750 herrschten Streitigkeiten in Dierdorf zwischen den Protestanten und den wenigen Katholiken bezüglich Abhaltung von Gottesdiensten in einem Privathaus. Die bereits erteilte landesherrliche Konzession wurde wieder zurück genommen. Durch eine Stiftung sollte nun eine Missionsniederlassung der Kapuziner in Dierdorf gegründet werden. Der Graf von Wied-Runkel, der seinen Sitz in Dierdorf hatte, gab 1755 die Einwilligung für die Errichtung eines Klosters mit Kirche durch die Kapuziner. Doch die evangelischen Dierdorfer protestierten und wandten sich an das Corpus Evangelicorum, eine nach den Bestimmungen des Westfälischen Friedens von 1648 auf dem Reichstag zu Regensburg gebildete Vereinigung der evangelischen Reichsstände. Seine Aufgabe galt der Wahrung der evangelischen Interessen. Im Rahmen dieser 1764 angefertigten Druckschrift wurde auch der Bericht der exakt 200 Jahre zuvor stattgefundenen Honnefelder Synode wiedergegeben.
Mit der Honnefelder Synode nahm das öffentliche evangelische Leben seinen Anfang in der Grafschaft Wied. Nun folgten Zug um Zug die Abschaffung der katholischen Gebräuche und die Beschlagnahme katholischer Kirchenutensilien (1571/72). Damit ist nach der Einschätzung von Pfarrer und Kirchenhistoriker Löhr die vierte und letzte Stufe der Reformation erreicht.

Die weitere Entwicklung

Zur evangelischen Glaubensverbreitung wurde 1584 die Hohe Schule zu Herborn gegründet. Aus dieser Bildungsanstalt kamen nun Pfarrer, beseelt mit reformatorischem Geist und Eifer, in die neuen reformierten Gemeinden.
So weiß man beispielsweise von dem 1606 in Oberhonnefeld wirkenden Pfarrer Amandus Knopaeus, dass er 1594 als „Amandus Knopaeus, Wedensis“ (also aus der Grafschaft Wied) in Herborn studiert hatte.
Auf Wunsch und Vorschlag der Grafenwitwe Katharina – Graf Johann IV. zu Wied war 1581 verstorben, sie hatte ihren Witwensitz zu Braunsberg bei Anhausen – fand 1587 in Dierdorf ein Konvent (oder eine Synode) statt, zu dem alle Pfarrer der Grafschaft zu erscheinen hatten. Hier wurde die in Herborn verfasste Kirchenordnung beschlossen. Damit haben die Menschen im wiedischen Land endgültig den reformierten Glauben angenommen.

Ausblick

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasshandels an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg und veränderte damit nicht nur die kirchliche Welt, sondern setzte eine Reformation in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur in Gang. Im Jubiläumsjahr 2017 feiert die Evangelische Kirche in Deutschland in der Lutherstadt Wittenberg diese 500 Jahre der Reformation mit kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen, Tagungen und großen Ausstellungen. Im Mittelpunkt des Reformationsjubiläums 2017 steht Luthers Erkenntnis der „Rechtfertigung aus Gnade allein“.
Dies will heißen, dass der Mensch sein Seelenheil allein aus Gottes Gnade und nicht aufgrund eigener religiöser Verdienste, wie zum Beispiel durch Ablassbriefe oder durch Wallfahrten, gewinnen kann.
Quellen:
  • H. von München; Geschichte von Kurtscheid. Trier 1890.
  • Monatshefte für Rheinische Kirchengeschichte - Jahrgang 1930: Pfarrer R. Löhr; Die erste Wiedische Synode 1564 (S. 364 - 367).
  • R. Löhr; Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde und des Kirchspiels Feldkirchen. 1959.
  • H. Gensicke; Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden 1958.
  • H. Aufderheide, G. Ebbinghaus, E. Zeiler; Geschichte des Kirchspiels Urbach. Urbach 1987.
  • W. Tullius; Die wechselvolle Geschichte des Hauses Wied. Stadtverwaltung Neuwied. 2002.
  • M.-L. Dingeldey; 1150 Jahre Rengsdorf. Ein Gang durch die Jahrhunderte. Rengsdorf 2007.
  • Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts. Neunzehnter Band. Rheinland-Pfalz II. 1. Teilband. u.a. Die Grafschaft Wied. Mohr Siebeck 2008.
  • N. Kranz; Die Reformation in der Grafschaft Wied.
  • A. Schmidt; K.- E. Anhäuser; L.Kurz; Straßenhaus mit den Ortsteilen Jahrsfeld, Niederhonnefeld und Ellingen. Straßenhaus 2013.
  • 200 Jahre Pfarrei St. Clemens Dierdorf. 1802 - 2002. Herausgeber: Öffentlichkeitsausschuss im PGR St. Clemens.
  • Hinweise von Herrn Pfarrer Andreas Laengner (Anhausen) vom 18. Oktober 2014 und vom 7. März 2015.
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