Losung für heute
Wasche dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?
Jeremia 4,14

Johannes sprach: Bringt also Früchte, die der Umkehr entsprechen!
Lukas 3,8

„Was bedeutet Barmherzigkeit für dich?“

„Was bedeutet Barmherzigkeit für dich?“ werde ich gefragt und ich muss ein wenig nachdenken. Barmherzigkeit, das ist nicht nur Hilfsbereitschaft, mitfühlen, vergeben, da ist auch meine „herzliche Zuwendung“ gefragt, ganz gleich wie sich die Situation darstellt. Da bleibt meine eigene Befindlichkeit zurück, um mich ganz auf den Anderen einzulassen. Ihm das zu geben, was er so nötig braucht. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mich sehr berührt hat. Der Originaltext ist im Büchlein „Typisch“ aus dem „Andere Zeiten-Verlag“ zu finden.
Beate Schaller

Nur ein gelbes Band

„Alles Gute für dich, jetzt kannst du endlich wieder nach Hause.“ Die Worte des Gefängnisbeamten fielen wie Steine in mich hinein. Nach Hause – hatte ich ein Zuhause? Nach 4 Jahren Gefängnis ohne einen einzigen Besuch meiner Eltern? Zweimal kam ein Weihnachtsgruß, sonst nichts. Wie tief hatte ich sie verletzt. Ihr geliebter Sohn straffällig, im Gefängnis, das würden sie mir nie verzeihen.
Trotzdem hatte ich geschrieben: „ Ich bin entlassen, und fahre mit dem Zug am Freitag an unserer Farm vorbei. Wenn ich zurückkommen darf, hängt ein gelbes Band in den Apfelbaum neben den Gleisen. Wenn ich vorbeifahre und kein Band sehe, fahre ich weiter – irgendwohin.
Noch 4 Stationen – ich starrte aus dem Fenster, noch 3, – mein Mitreisender im Abteil bemerkte meine Anspannung. Er schaute mich fragend an, da hielt ich es nicht mehr aus und erzählte ihm meine ganze Geschichte. – Nur noch 2 Stationen, ich konnte nicht mehr aus dem Fenster gucken, starrte nur vor mich hin, die Angst schnürte meine Kehle zu. Die letzte Station. „Soll ich für Sie gucken?“ fragte mein Gegenüber leise. Ich nickte, wir tauschten die Plätze. Der Zug fuhr an, steigerte das Tempo, gleich musste unsere Farm zu sehen sein. „Schauen Sie, schauen Sie!“ aufgeregt zeigte mein Nachbar zum Fenster. Der Apfelbaum, er leuchtete strahlend gelb. Über und über war er mit flatternden gelben Bändern geschmückt.
Ich war wieder Zuhause.
Bild von Jutta Schultheiß
 
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