Losung für heute
Wasche dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?
Jeremia 4,14

Johannes sprach: Bringt also Früchte, die der Umkehr entsprechen!
Lukas 3,8

Das Ende einer Karriere?

Es war beeindruckend wie Tausende an seinen Lippen hingen. Sie, die Unterdrückten, träumten von der vergangenen Freiheit. Und nun kam plötzlich jemand, der ihnen die Möglichkeiten dieses neuen Lebens vor Augen und Ohren stellte. Das war faszinierend! Er hatte auch keine Angst, denn er setzte sich sehr kritisch mit den religiösen Machthabern auseinander und bewies ihnen ihre fehlerhafte Menschlichkeit. Und vor allem: Es waren nicht nur allein seine Worte! Durch ihn geschahen auch viele unerklärliche Dinge: Kranke Menschen wurden in seiner Gegenwart geheilt, unzählige Menschen wurden durch eine Handvoll Lebensmittel im Überfluss gesättigt. Und man erzählte sich auch andere merkwürdige Dinge: Bei Sturm sah man ihn über das Wasser gehen, und mit seinem gebieterischen Ruf legten sich Sturm und Wellen. Das konnte nur dieser eine Mensch sein, dem sogar die Naturgewalten gehorchen, den die Propheten vor langer Zeit schon angekündigt hatten und worauf das Volk wartete: Auf den Befreier Israels, auf den mächtigen und starken König!

Ist ER endlich da?

Und dann? Aus dem engsten Kreis seiner Mitarbeiter wird er an die religiösen Machthaber verraten, ausgeliefert. Für eine Handvoll Geld. Man traut ihm nicht über den Weg, diesem Jesus von Nazareth. Und – endet hier nun die glanzvolle Karriere von Jesus, der sich selbst als Gottes Sohn ausgibt? Denn das wird ihm jetzt zum Verhängnis, seine Behauptung: Ich bin Gottes Sohn. Das ist Gotteslästerung, darauf steht die Todesstrafe. Und plötzlich kehrt sich die Begeisterung der aufgestachelten Menge um in das Vernichtende: Kreuzige, kreuzige ihn! Die nun so Aufgehetzten ließen keine Argumente mehr gelten. Obwohl selbst der Richter Pilatus keine Schuld an dem inzwischen blutig geschlagenen Menschen finden kann.

Barmherzigkeit der Menge?

Alle Zuwendung des liebenden Gottessohnes an die Menschen der damaligen jüdischen Gesellschaft scheint total vergessen zu sein. Alles wird zerbrochen, zerschlagen. Die aufgewiegelte, aufgehetzte Menschenmenge kennt kein Erbarmen. Bis in unsere heutige Zeit hinein erleben wir immer wieder dieses erschreckende Verhalten der Massen.

Barmherzigkeit des Verurteilten

Für Jesus ist dieses „kreuzige ihn“, dieses fordernde Geschrei, welches ihn hineinwirft in die absolute Erniedrigung, hinein in das Verbluten, Verdursten, hinein in die Todesqual am Kreuz, für Jesus ist dieser schreckliche Weg nicht der Weg in den endgültigen Tod und nicht das Ende einer verheißungsvollen Karriere.Denn dann lesen wir in dem Bericht zu dieser Hinrichtung in der Bibel (Lukas Evangelium Kapitel 23), dass Jesus zu Gott mit den Worten ruft: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Und dies gilt tatsächlich allen Menschen um ihn herum. Das ist so unfassbar, wie es in unseren Ohren klingt: Es gilt für alle Menschen, selbst sogar für die Menschen, die soeben noch aus voller Kehle „kreuzige ihn“ geschrien haben.
Das gewaltigste Gebet Jesu am Kreuz, dieses „Vater vergib ihnen“ ist wohl die mächtigste Antwort Gottes auf das „Kreuzige ihn“. Hier zeigt sich unbegreifliche Barmherzigkeit Gottes! Jesus Christus stirbt in seiner Göttlichkeit stellvertretend für die Menschheit. Hier „geschieht“ dieses Unbegreifliche, hier wird zur Wahrheit: „Gott ist Liebe“ Gott ist für uns!
Und jeder von uns ist gemeint, jeder Einzelne von uns, auch der, der sich immer wieder neu gegen Gott stellt. In seiner täglichen Schuld, in seiner Ablehnung, in seiner Ignoranz.
Jesus Christus sagt: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir (Offenbarung 3.20).
Willi Gebhardt
Bild von Gerhard Wienss
 
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